5 Jahre aktuellste Software ?
Rainer
spots4as at gmx.de
Do Jul 5 21:29:43 UTC 2012
Hallo Maik,
Am Thu, 5 Jul 2012 16:06:21 +0200
schrieb Maik Holtkamp <s-y-l at gmx.net>:
> > >
> > Just zu
> > dem Zeitpunkt, als für z.B. die Verwendung eines veralteten FF zum
> > Ärgernis geriet, wurde das starre Festhalten an dieser Linie
> > wenigstens dabei aufgegeben. Plötzlich und zu meiner Überraschung
> > es nun doch möglich eine neue FF-Version in eine bestehende
> > Ubuntu-LTS-Version (8.04) zu integrieren. Geht also...
>
> Ich denke Canonical schielt mit den den TLS Versionen auf den
> Unternehmens Desktop (daher auch die Anpassung an die TLS server
> Laufzeit).
Worauf Canonical schielt, weiß ich nicht und kann es nicht wirklich
einschätzen. Falls es allerdings so sein sollte, ist die Frage, wieviel
es mit der Wirklichkeit zu tun hat. Wer nutzt denn Ubuntu
hauptsächlich? Sind es Unternehmen oder vor Allem Einzelanwender? Nach
meiner Einschätzung sind es vor Allem Einzelanwender - und bei vielen
von denen (auch in Ubuntu-Listen) beobachte ich einen ständigen Run
auf die jeweils aktuellen Ubuntu-Versionen (komme mir manchmal schon
vor, wie ein Exot, wenn ich nach 2,5 Jahren mit Fragen zu einer noch
laufenden LTS-Version stelle: Benutzt so gut wie niemand mehr). Von
ungefähr kommt diese Mentalität sicher nicht, aber ich kann mir den
Aufwand nicht leisten. Ergo bin ich festgenagelt auf manch alte
SW-Version, von der es tatsächlich neuere gibt, die besser sind.
> Wenn in einem Unternehmen alle Nase lang die Office
> Version getauscht wird, macht man sich gewiss keine Freunde.
>
Aber auch nicht, wenn Fehler nicht behoben werden - nur weil nicht
genügend Anwender laut genug protestiert haben.
> Auch die Entscheidung der _Mozilla_ Leute durch Ihre update Politik
> debianesken OSes Ihre aktuelle Version aufzuzwingen, ist in dem
> Zusammenhang wenig hilfreich. Ich wuerde jedenfalls daher, wenn ich
> bei einem entsprechend grossen Unternehmen die Entscheidung faellen
> muesste derzeit auf keinem Fall zu FF/TB raten.
>
Warum nicht? Warum ist es wenig hilfreich? Was ist denn gegen
aktuellere Versionen einzuwenden?
> Wenn sich da die API aendert und meine Anpassungen fuer das Program
> bei XXX Clients nicht mehr laufen, reissen mir die User den A auf.
>
Hmm, diesen Sachverhalt verstehe ich nicht, und die nachfolgenden
Argumente klingen zwar richtig, aber mit Problemen, die sich evtl.
in Unternehmen stellen, bin ich nicht vertraut.
> Unternehmen haben zudem vielleicht hausinterne Anwendungen gegen das
> Office Paket laufen. Dann ein Update und mit einem Mal packen die
> Barcodescanner Ihre Daten nicht mehr nach Calc :(.
>
> Oder das Schulungsbuget ist weg und das GUI des neuen Firefox sieht
> halt anders aus - viele Kollegen kommen damit klar - aber andere
> drohen direkt mit Streik, wenn sie keine entsprechende Schulung
> bekommen.
>
> Das wir als Freunde der TLS in den gleichen IMHO Genuss fuer Nuesse
> kommen, ist fuer mich ein _Vor_teil. Andere, vor allem rpm basierte
> Distries, verlangen fuer die _Moeglichkeit_ derartige langer
> Laufzeiten gutes Geld.
>
> Durch den Wechsel von 3 auf 5 Jahre, verliert man ja, wie im thread
> schon merhfach erwaehnt, gar nichts. Es wird weiter alle 2 Jahre
> eine neue TLS Distri geben und man hat dadruch doch nur ein + an
> Optionen:
>
> Wer richtig masochistisch veranlagt ist, kompiliert eh das ein oder
> andere selbst.
>
> Wer bleeding edge will bekommt alle 3 Monate eine neue Version und
> schaut nach backports.
>
> Wer tls-edge will der installiert alle 2 Jahre neu
>
> Wer "lange" will, der kann jetzt 5 statt 3 Jahre auf der Distri
> bleiben.
>
> Ich sehe hier wirklich keinen Nachteil.
Ich schon: Bei LTS treffe ich eine Entscheidung zwischen - überspitzt
ausgedrückt - Pest und Cholera: Entweder ich bleibe lange dabei und
muss schlucken, dass ich bei zentraler Software auf hoffnungslos
veralteten Versionen sitze, oder ich wechsle in kürzeren Zyklen gleich
(und völlig sinnlos) alles aus, was aktuellere Versionen so an Neuem
und teilweise Sinnlosem mit sich bringen (den entsprechenden
Zeitaufwand eingeschlossen).
> Auch wenn ich mir z.B. die
> Release Zyklen in der Loehnware Welt ansehe, kommt ja auch dort
> nicht alle Nase lang ein neues M$-Office auf den Markt.
>
> Klar kann ich theoretisch mein OS behalten und nur das neue Office
> Paket installieren [1], aber bei den heutigen Hardware Halbwertzeiten
> und Spruengen in den Installationsvoraussetzungen fuer das dann neue
> Office Paket macht das auch nur selten Sinn.
>
> Fuer die die es gar nicht abwarten koennen, bieten ja auch rel.
> viele grosse Upstreams Ihre neusten Pakete inzwischen auch als
> binaries fuer groessere Linux Distributionen. Wenn es so ein Angebot
> fuer ubuntu gibt dann auch meist nur fuer TLS Versionen.
>
> Ich selber bin vor ca. 3-4 Jahren von gentoo zu ubuntu gekommen.
> Klar bei gentoo war immer und alles, wenn ich wollte, wirklich
> bleeding edge und top fuer die Hardware meiner Kiste kopiliert,
> aber:
>
> - die Hardware wird immer schneller, so das der speed Vorteil
> marginal wird
> - neue compiler flags bei neuer Hardware und die Kiste roedelt ein
> paar Tage rum
> - Naechte lange compiler Orgien bei offenem Gehaeuse, wenn ein neues
> OO oder KDE kam gehen einem irgendwann auf den Sack
> - wenns mal hakt dann meist heftig, wobei die community wirklich
> hilfreich ist
> - man wird aelter ;).
>
> mit den Einschraenkungen die eine binary Distri mit sich bringt bin
> ich auch nicht immer zufrieden, kann seit dem Umstieg aber insgesamt
> deutlich ruhiger schlafen und begruesse die Entscheidung TLS 5 Jahre
> mit security-fixes zu versorgen voll und ganz.
>
> Just my 0.02 EUR.
>
> [1] Vielleicht waere es auch eine gute Idee fuer Cannonical
> bleeding-edge von einigen Paketen als Loehnware anzubieten.
> Ich befuerchte reich wuerde davon niemand.
Viele Grüße
Rainer
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